Bestellen wie ein Mallorquiner: Cortado, Carajillo, Variat & Co.
Drei Wörter Mallorquin, ein Platz an der Theke, und ihr gehört dazu. Fast.
Von Thorsten Kambach5 Min. Lesezeit

In diesem Beitrag 7 Abschnitte
Acht Uhr morgens in einer Dorfbar. Am Tresen stehen zwei Bauarbeiter, ein Pfarrer und eine Dame mit Einkaufstrolley. Keiner schaut in eine Karte. Jeder bekommt sofort, was er will. Das ist kein Zufall. Das ist Vokabular.
Kurz gesagt: Auf Mallorca bestellt man morgens einen Cortado oder Café amb llet und dazu ein belegtes Llonguet oder eine Ensaïmada, mittags einen Variat oder das Menú del día, nachmittags oder abends eine Caña oder ein Glas Cava, und nach dem Essen einen Carajillo oder einen Hierbas. Bestellt wird an der Theke, bezahlt oft erst am Schluss, und ein „Bon dia“ auf Mallorquin öffnet mehr Türen als jedes perfekte Spanisch.
Morgens: Kaffee, aber genau
Kaffee heißt hier nicht einfach Kaffee. Er hat Unterarten, und jede hat ihre Uhrzeit.
- Café solo: ein Espresso. Klein, schwarz, schnell.
- Cortado, auf Mallorquin tallat: Espresso mit einem Schuss warmer Milch. Der Standard am Vormittag.
- Café amb llet, spanisch café con leche: Kaffee mit viel Milch, meist im Glas oder in der großen Tasse. Das Frühstücksgetränk.
- Café americano: Espresso mit heißem Wasser. Für alle, die Filterkaffee vermissen.
- Café con hielo: Kaffee und ein Glas mit Eiswürfeln, das ihr selbst zusammengießt. Im August die vernünftigste Bestellung der Insel.
Dazu isst man ein Llonguet, das längliche weiße Brötchen aus Palma mit dem Schnitt in der Mitte, belegt mit Sobrassada, Schinken oder Käse. Die Palmesaner werden übrigens selbst Llonguets genannt, sie nehmen es mit Fassung. Oder eine Ensaïmada, die Schnecke aus Hefeteig und Schmalz unter Puderzucker. Wer sie lieber in der Finca frühstückt: Ensaïmadas aus dem WOW MART.
Mittags: Variat und Menú del día
Der Variat ist Mallorcas Antwort auf die Frage, warum man sich für ein Gericht entscheiden sollte. Ein Teller mit kleinen Portionen von allem, was die Küche gerade hat: Frit, Fleischbällchen, Kartoffelsalat, Tintenfisch, eingelegte Paprika. Oft reicht einer für zwei, und mit Brot und Aioli wird ein Mittagessen daraus.
Werktags bieten viele Bars und Restaurants ein Menú del día an: Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch oder Kaffee, Brot und ein Getränk zum Festpreis. Mittags essen die Mallorquiner eher spät, ab etwa 13.30 Uhr. Wer um zwölf kommt, hat den Laden für sich. Wer um zwei kommt, sieht, wie er wirklich ist. Welche Gerichte ihr sonst probieren solltet, steht in unserem Beitrag Mallorquinische Küche.
Nachmittags und abends: Caña, Clara, Cava
- Caña: ein kleines frisch gezapftes Bier, meist um 0,2 Liter. Klein ist hier Taktik, nicht Verzicht. Wer mehr will, bestellt eine jarra.
- Clara: Bier mit Zitronenlimonade. Das Radler der Insel.
- Tinto de verano: Rotwein mit Limonade auf Eis. Im Sommer überall zu haben, von Einheimischen öfter getrunken als Sangria.
- Vermut: Wermut auf Eis mit Orangenscheibe und Olive, am Wochenende vor dem Mittagessen. „Fer el vermut“ ist eine Uhrzeit, kein Getränk.
- Cava: spanischer Schaumwein aus traditioneller Flaschengärung, überwiegend aus Katalonien. Auf der Terrasse zum Sonnenuntergang der Standard. Mallorca macht auch eigene Weine, mehr dazu unter Wein auf Mallorca.
Nach dem Essen: Carajillo, Hierbas, Palo
Der Carajillo ist ein Espresso mit einem Schuss Weinbrand, Rum oder Hierbas. Offiziell ein Kaffee. In Wahrheit eine Weltanschauung. Man trinkt ihn nach dem Mittagessen, in manchen Dorfbars auch früher.
Hierbas, mallorquinisch Herbes, ist der Kräuterlikör der Insel, mit Anis und Kräutern wie Fenchel, Rosmarin und Zitronenverbene. Es gibt ihn süß (dolces), halbsüß (mesclades) und trocken (seques). Der trockene ist der für Kenner. Oft stellt der Wirt die Flasche nach dem Essen einfach auf den Tisch.
Palo ist der dunkle, bittere Likör Mallorcas, traditionell aus Chinarinde und Enzian. Pur auf Eis oder mit Soda. Ein Geschmack, an den man sich gewöhnt, und dann lässt er einen nicht mehr los.
Was davon ihr zollfrei mit nach Hause nehmen dürft, steht unter Zoll auf Mallorca.
Bestellen, bezahlen, Trinkgeld
- An der Theke bestellen. In Dorfbars geht es dort schneller als am Tisch. Und man steht näher am Geschehen.
- Die Rechnung: „El compte, per favor“ auf Mallorquin, „la cuenta, por favor“ auf Spanisch. Oft wird alles zusammen am Schluss bezahlt, manchmal direkt an der Kasse.
- Trinkgeld ist kein Muss. Aufrunden oder ein paar Euro bei gutem Service sind üblich.
- Leitungswasser: „Una jarra de agua“. Fragt einfach.
- Drei Wörter Mallorquin: Bon dia (guten Tag), gràcies (danke), adéu (tschüss). Mehr braucht es nicht. Wer „Bon dia“ sagt, wird anders angeschaut. Freundlicher, meistens.
Und in der Finca?
Die Theke ist nicht alles. Wer abends lieber auf der eigenen Terrasse sitzt, bekommt Cava, Bier, Hierbas und Eis über die WOW BAR direkt in die Finca. Was in spanischen Supermärkten ins Regal gehört, steht unter spanische Supermarkt-Klassiker. Und wer den Variat lieber am eigenen Tisch hat: Privatkoch in der Finca.
WOW CONCIERGE
Ihr wollt wissen, welche Dorfbar morgens die besten Llonguets macht oder wo es sonntags noch einen Tisch für zwölf gibt? Fragt uns. Wir sind seit 2005 auf der Insel und kennen die Theken.
Was der WOW CONCIERGE möglich macht · Einkauf über den WOW MART
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Cortado und Café con leche?
Ein Cortado ist ein Espresso mit einem kleinen Schuss Milch. Ein Café con leche, auf Mallorquin Café amb llet, ist deutlich größer und hat viel mehr Milch.
Was ist ein Carajillo?
Ein Espresso mit einem Schuss Weinbrand, Rum oder Hierbas. Auf Mallorca trinkt man ihn vor allem nach dem Mittagessen.
Was ist ein Variat?
Ein gemischter Teller mit kleinen Portionen mallorquinischer Gerichte, etwa Frit, Fleischbällchen, Kartoffelsalat und Tintenfisch. Typisch für Bars am Mittag.
Wie groß ist eine Caña?
Meist um 0,2 Liter frisch gezapftes Bier. Wer mehr möchte, bestellt eine jarra.
Was ist Hierbas?
Der Kräuterlikör Mallorcas mit Anis und Kräutern, süß, halbsüß oder trocken. Getrunken wird er in kleinen Gläsern nach dem Essen.
Gibt man auf Mallorca Trinkgeld?
Es ist nicht Pflicht. Aufrunden oder ein paar Euro bei gutem Service sind üblich.