Erst kommt der Tunnel, dann ein Tal voller Orangenbäume, und plötzlich fühlt sich Mallorca an wie eine andere Insel. Sóller liegt in einer Senke, umringt von den Bergen der Tramuntana. Unten am Meer wartet mit Port de Sóller eine fast geschlossene Hafenbucht.

In diesem Beitrag geht es um beides: die Stadt Sóller mit Platz, Kirche und Jugendstilfassaden und den Hafen Port de Sóller mit Promenade, Leuchtturm und Booten. Kurz gesagt: Morgens Sóller, mit der alten Straßenbahn hinunter zum Hafen, nachmittags Bucht und Leuchtturm. Und wer kann, kommt nicht zur Mittagszeit an, wenn alle anderen auch kommen.

Sóller: Stadt der Orangen und des Modernisme

Sóller war lange durch die Berge vom Rest der Insel abgeschnitten und handelte deshalb eher übers Meer, vor allem mit Frankreich. Orangen und Zitronen aus dem Tal brachten Geld in den Ort. Mit dem Geld kam der Wunsch, es auch zu zeigen. Das sieht man bis heute.

Das Herz der Stadt ist die Plaça de sa Constitució mit Rathaus, Cafés unter Platanen und der Straßenbahn, die mitten über den Platz rumpelt. Daneben steht die Kirche Sant Bartomeu. Ihre modernistische Fassade von 1904 stammt von Joan Rubió, einem Schüler Gaudís. Vom selben Architekten ist das Gebäude des Banco de Sóller gleich nebenan, fertiggestellt 1912.

Wer mehr Modernisme sehen will, geht ein paar Schritte weiter zum Museu Modernista Can Prunera. Die Stadtvilla vom Anfang des 20. Jahrhunderts zeigt eine Kunstsammlung, unter anderem mit Werken von Miró und Klee, und hat einen Skulpturengarten.

Und dann die Orangen. Das Tal von Sóller heißt nicht ohne Grund Tal der Orangen, die Zitrusgärten reichen bis an die Häuser. Frisch gepresster Saft gehört hier nicht zum Frühstück. Er ist das Frühstück.

Mit der historischen Straßenbahn nach Port de Sóller

Die Straßenbahn von Sóller fährt seit 1913 auf knapp fünf Kilometern vom Bahnhof über die Plaça bis an den Hafen. Holzwagen, offene Waggons, gemütliches Tempo, Orangengärten links und rechts. Sie ist Verkehrsmittel und Sehenswürdigkeit zugleich, und sie erspart euch die zweite Parkplatzsuche am selben Tag.

Gut zu wissen: Im Winter pausiert die Straßenbahn für Wartungsarbeiten meist einige Wochen, im Winter 2025/26 etwa vom 24. November bis zum 21. Dezember. Fahrpläne und Preise ändern sich, prüft sie vorher beim Betreiber Ferrocarril de Sóller. Wer mit dem Roten Blitz aus Palma anreist, kann Zug und Straßenbahn als Kombiticket buchen.

Port de Sóller: Bucht, Promenade, Leuchtturm

Port de Sóller liegt rund drei Kilometer unterhalb der Stadt an einer Bucht, die nur eine schmale Öffnung zum Meer hat. Deshalb ist das Wasser meist ruhig, und deshalb war dieser Naturhafen so lange wichtig. An der Promenade reihen sich Restaurants und Terrassen, dazwischen liegen die Stadtstrände Platja d'en Repic und Platja des Través.

Der lohnendste kurze Ausflug führt hinauf zum Leuchtturm am Cap Gros, der seit 1859 über der Hafeneinfahrt steht. Der Weg ist kurz, aber steil. Oben blickt ihr über die Bucht und die Küste der Tramuntana, abends ist das einer der schönsten Plätze für den Sonnenuntergang. Gegenüber, auf der anderen Seite der Einfahrt, steht der kleinere Leuchtturm Sa Creu.

In der Saison legen vom Hafen Ausflugsboote nach Sa Calobra und zur Cala Tuent ab. Nach Sa Calobra dauert die Fahrt etwa eine Stunde pro Strecke, entlang einer Steilküste, die man von der Straße aus so nie sieht. Bei Seegang fallen Fahrten aus, plant also einen Ausweichtag ein.

Fornalutx, Biniaraix und der Barranc

Zwei Dörfer im Tal lohnen den kleinen Umweg. Fornalutx ist ein Bergdorf aus Naturstein mit steilen Treppengassen und gilt als eines der schönsten Dörfer Mallorcas. Biniaraix ist noch kleiner und vor allem der Startpunkt einer klassischen Wanderung.

Der Barranc de Biniaraix ist eine Schlucht mit einem alten gepflasterten Weg, Trockenmauern und Oliventerrassen, seit 1994 als Kulturgut geschützt. Hin und zurück bis zu den Gärten von Es Verger sind es etwa 5,5 Kilometer und gut zweieinhalb Stunden, mit vielen Stufen und rund 350 Höhenmetern. Bei Nässe werden die Steine rutschig. Wer weiter will, kommt bis zum Coll de l'Ofre oder zum Stausee Cúber, das ist dann eine Tagestour. Mehr Ideen stehen in unserem Beitrag Wandern auf Mallorca.

Anfahrt und Parken: der ehrliche Teil

Von Palma aus fahrt ihr über die Ma-11 durch den Tunnel von Sóller, der seit Ende 2017 mautfrei ist. Aus dem Norden, etwa von Pollença, führt die Ma-10 quer durch die Tramuntana: lang, kurvig, landschaftlich großartig. Wie man diese Strecke am besten fährt, steht im Beitrag Mallorca mit dem Auto erkunden.

Das Problem ist nicht die Anfahrt, sondern das Ankommen. Parkplätze sind in Sóller und vor allem in Port de Sóller knapp, im Sommer und zur Mittagszeit oft komplett. Unser Rat: früh da sein, einmal parken und dann mit der Straßenbahn zwischen Stadt und Hafen pendeln. Ohne Auto fährt die Buslinie 203 von Palma über Valldemossa und Deià bis Port de Sóller. Im Sommer ist sie stark gefragt.

Zu den typischen Ausflugszeiten, wenn Zug, Busse und Tagesgäste gleichzeitig ankommen, wird es auf der Plaça und an der Promenade voll. Früh am Vormittag und am späten Nachmittag ist es spürbar ruhiger.

Unser Rat: Für wen ist Sóller ideal?

  • Für Paare und kleine Gruppen, die Bergstadt, Hafen und gutes Essen an einem Tag verbinden wollen.
  • Für Wanderer: Das Tal ist ein Knotenpunkt des Fernwanderwegs GR 221.
  • Für Familien: Die Straßenbahn ist für Kinder oft das Highlight des Tages, die ruhige Bucht auch.
  • Weniger geeignet für alle, die im August mittags ankommen und einen Parkplatz am Hafen erwarten.

Wer die Tramuntana-Küste nicht nur besuchen, sondern bewohnen will, schaut sich die Finca Son Roca in Port des Canonge an, an derselben Bergküste zwischen Valldemossa und Banyalbufar, für bis zu 3 Gäste. Weitere Häuser abseits des Trubels findet ihr unter Fincas in ruhiger Lage. Und wer lieber im Norden wohnt, macht Sóller zum Tagesausflug über die Ma-10: Unsere Fincas im Norden Mallorcas rund um Pollença sind dafür ein guter Ausgangspunkt.

Häufige Fragen

Wie kommt man von Sóller nach Port de Sóller?

Am schönsten mit der historischen Straßenbahn, die seit 1913 auf knapp fünf Kilometern vom Bahnhof Sóller über die Plaça de sa Constitució bis an die Hafenpromenade fährt. Alternativ gibt es Busse, und mit dem Auto sind es nur wenige Minuten, allerdings ist der Parkraum am Hafen knapp.

Fährt die Straßenbahn in Sóller das ganze Jahr?

Fast. Im Spätherbst pausiert sie meist einige Wochen für Wartungsarbeiten, im Winter 2025/26 vom 24. November bis zum 21. Dezember. Aktuelle Fahrpläne und Preise veröffentlicht der Betreiber Ferrocarril de Sóller.

Was kann man in Sóller unternehmen?

In Sóller lohnen die Plaça de sa Constitució, die Kirche Sant Bartomeu und der Banco de Sóller mit Fassaden von Joan Rubió sowie das Museum Can Prunera. Dazu kommen die Straßenbahn zum Hafen, der Leuchtturm am Cap Gros, Bootsfahrten nach Sa Calobra und Wanderungen wie der Barranc de Biniaraix.

Wo parkt man in Port de Sóller?

Port de Sóller hat einige öffentliche Parkplätze, die in der Saison und zur Mittagszeit aber schnell voll sind. Am besten kommt ihr früh, parkt einmal in Sóller oder am Hafen und nutzt dann die Straßenbahn. Ohne Auto fährt die Buslinie 203 aus Palma über Valldemossa und Deià.

Kann man in Port de Sóller baden?

Ja. In der Bucht liegen die Stadtstrände Platja d'en Repic und Platja des Través, das Wasser ist durch die enge Hafeneinfahrt meist ruhig. Es sind belebte Ortsstrände mit Promenade, keine einsamen Buchten.

Wie viel Zeit braucht man für Sóller und Port de Sóller?

Für Stadt, Straßenbahn, Hafen und Leuchtturm reicht ein Tag. Wer zusätzlich nach Sa Calobra fahren oder durch den Barranc de Biniaraix wandern will, plant einen zweiten Tag ein.

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