Ein Dorf aus honigfarbenem Stein, das sich an einen Hügel lehnt, darüber der Teix, darunter das Meer. Deià wirkt, als hätte es sich vor Jahrzehnten hingesetzt, um zuzuschauen, wie Maler, Dichter und Musiker kommen. Viele sind geblieben.

Deià auf Mallorca ist eine der kleinsten Gemeinden der Insel, mit rund 850 Einwohnern, und trotzdem eine der bekanntesten. Kurz gesagt: Für Deià braucht ihr einen halben Tag. Oben Kirche und Friedhof, an der Straße nach Sóller das Haus von Robert Graves, unten die Cala Deià. Wer mehr will, wandert weiter nach Sóller oder fährt nach Valldemossa.

Deià: das Künstlerdorf der Tramuntana

Deià liegt an der Westküste in der Serra de Tramuntana, zwischen Valldemossa und Sóller, auf und rund um den Hügel Es Puig. Die Ma-10 führt mitten hindurch, links und rechts Steinhäuser, Terrassengärten und Zitronenbäume. Warum ausgerechnet hier so viele Künstler gelandet sind, versteht man nach fünf Minuten.

Der bekannteste von ihnen war der britische Schriftsteller Robert Graves, der 1929 mit der Dichterin Laura Riding kam. Nach ihm zog der Ort über Jahrzehnte Schriftsteller, Maler und Musiker an, und er tut es bis heute. Das merkt man an Galerien und Ateliers, nicht an Glamour. Deià ist leise.

Ca n'Alluny: das Haus von Robert Graves

Graves ließ sich etwas außerhalb des Dorfes an der Straße nach Sóller ein Haus bauen und zog im März 1932 ein. Den Spanischen Bürgerkrieg verbrachte er nicht auf der Insel, ab 1946 lebte er wieder dauerhaft hier, bis zu seinem Tod 1985. Heute ist Ca n'Alluny ein Haus-Museum der Fundació Robert Graves, mit Originalräumen und einem Garten, der nach seinem Zustand in den 1930er-Jahren wiederhergestellt wurde.

Vom Dorfkern seid ihr in wenigen Minuten zu Fuß dort. Besuche sind derzeit nur werktags von Montag bis Freitag möglich. Prüft Zeiten und Eintritt vorher bei der Stiftung, damit ihr nicht vor verschlossener Tür steht.

Kirche, Friedhof und der Blick von oben

Ganz oben auf dem Puig steht die Pfarrkirche Sant Joan Baptista. Ihre Ursprünge reichen ins 14. Jahrhundert, ihre heutige Form bekam sie im 18. Jahrhundert. Der Weg hinauf führt durch schmale Gassen und über Treppen, oben schaut ihr über Dorf, Terrassen und Meer.

Daneben liegt der kleine Friedhof, einer der schönsten Ruheplätze der Insel. Hier ist Robert Graves begraben, ganz schlicht, Name und Lebensdaten von Hand in Beton geritzt. Bitte leise sein: Es ist ein Friedhof, keine Aussichtsplattform.

Cala Deià: kleine Bucht, große Nachfrage

Die Cala Deià ist eine kleine, steinige Bucht unterhalb des Dorfes, mit Kies statt Sand und sehr klarem Wasser. Direkt am Wasser liegt das Restaurant Ca's Patró March, bekannt für Fisch und Meeresfrüchte, nicht günstig und im Sommer schnell ausgebucht. Reserviert vorher.

Zu Fuß führt ein alter Karrenweg vom Dorf hinunter, der die Straße mehrmals kreuzt. Bergab ist das ein Spaziergang, zurück geht es spürbar bergauf. Mit dem Auto wird es eng: Die Zufahrt ist schmal und kurvig, der Parkplatz an der Bucht klein, und die Gemeinde hat die Zufahrt in der Saison schon per Schranke begrenzt. Im Sommer heißt das oft warten oder umdrehen. Früh am Morgen oder am späten Nachmittag habt ihr die besten Chancen.

Wandern: von Deià nach Sóller und hoch über Valldemossa

Deià liegt am Fernwanderweg GR 221, der Trockenstein-Route quer durch die Tramuntana. Die Etappe nach Sóller führt über die Cala Deià und den historischen Camí de Castelló durch Kiefernwald und Oliventerrassen. Die offizielle Etappe mit dem Bogen über Muleta und Cap Gros misst rund 17 Kilometer und dauert etwa fünfeinhalb Stunden. Wer an der Kapelle von Castelló direkt nach Sóller abbiegt, ist deutlich schneller. Zurück geht es mit dem Bus. Mehr dazu, was ihr in Sóller und am Hafen erwartet, steht in unserem Beitrag zu Sóller und Port de Sóller.

Hoch über Deià verläuft der Camí de s'Arxiduc, der Reitweg von Erzherzog Ludwig Salvator. Er beginnt in Valldemossa, ist als Rundweg etwa 13 Kilometer lang, hat rund 900 Höhenmeter und einzelne ausgesetzte Stellen. Dafür schaut ihr von oben auf Deià und die Halbinsel Sa Foradada. Nur für Trittsichere und nur mit frühem Start. Weitere Touren findet ihr unter Wandern auf Mallorca.

Llucalcari, Son Marroig und Valldemossa

Llucalcari ist ein winziger Weiler zwischen Deià und Sóller, ein paar Steinhäuser über den Klippen. Kein Ort mit Programm, eher einer für einen kurzen Halt und einen langen Blick.

Son Marroig an der Ma-10 in Richtung Valldemossa war ein Landsitz des Habsburgers Ludwig Salvator, der die Balearen erforscht und beschrieben hat. Heute ist dort ein kleines Museum. Der weiße Marmorpavillon im Garten blickt auf Sa Foradada, die Halbinsel mit dem Loch im Fels. Öffnungszeiten vorher prüfen, besonders wenn ihr den Sonnenuntergang einplant.

Nur ein paar Kurven weiter liegt Valldemossa mit seiner Kartause. Deià und Valldemossa lassen sich gut an einem Tag verbinden. Wie ihr die Ma-10 entlang der Küste am besten fahrt, steht im Beitrag Mallorca mit dem Auto erkunden.

Unser Rat: früh kommen, Bus statt Auto

  • Früh da sein: Morgens ist Deià ein Dorf, ab dem späten Vormittag ein Ausflugsziel.
  • Bus statt Auto: Die Linie 203 verbindet Palma über Valldemossa mit Deià, Sóller und Port de Sóller. Parkplätze im Ort sind knapp und meist blaue Zone.
  • Gute Schuhe: Treppen, Kopfsteinpflaster und der Weg zur Cala sind nichts für Flip-Flops.
  • Für wen: Paare, Kulturinteressierte, Wanderer. Mit Kinderwagen sind die Gassen mühsam.
  • Respekt: In Deià wohnen Menschen. Leise sein, nicht in Gärten fotografieren.

Die passende Basis für diese Küste ist die Finca Son Roca in Port des Canonge, an derselben Tramuntana-Küste zwischen Valldemossa und Banyalbufar, für bis zu 3 Gäste. Wer abends lieber Grillen hört als Motoren, findet weitere Häuser unter Fincas in ruhiger Lage. Und falls ihr nach der Wanderung keine Lust mehr auf Kochen habt: Das rote Telefon hat dafür jemanden.

Häufige Fragen

Was kann man in Deià machen?

In Deià lohnen der Aufstieg zur Kirche Sant Joan Baptista mit dem Friedhof, auf dem Robert Graves begraben ist, und das Haus-Museum Ca n'Alluny. Dazu kommen die Bucht Cala Deià, das Landgut Son Marroig mit Blick auf Sa Foradada und Wanderungen auf dem GR 221 nach Sóller.

Wie kommt man mit dem Bus nach Deià?

Die Buslinie 203 fährt von der Estació Intermodal in Palma über Valldemossa nach Deià und weiter nach Sóller und Port de Sóller. Die Fahrt ab Palma dauert etwa 50 Minuten. Im Sommer ist die Linie stark gefragt, plant etwas Puffer ein.

Wo parkt man in Deià und an der Cala Deià?

Im Dorf gibt es nur wenige öffentliche Parkplätze, meist in der blauen Zone. Der Parkplatz an der Cala Deià ist klein und in der Saison schnell voll, die Zufahrt wurde zeitweise per Schranke begrenzt. Am besten kommt ihr früh, zu Fuß vom Dorf oder mit dem Bus.

Kann man das Haus von Robert Graves besichtigen?

Ja, Ca n'Alluny an der Straße von Deià nach Sóller ist heute ein Haus-Museum der Fundació Robert Graves. Graves lebte dort ab 1932 und nach seiner Rückkehr 1946 bis zu seinem Tod 1985. Besuche sind derzeit werktags von Montag bis Freitag möglich.

Wie lange wandert man von Deià nach Sóller?

Die offizielle GR-221-Etappe von Deià nach Sóller ist mit dem Bogen über Muleta rund 17 Kilometer lang und dauert etwa fünfeinhalb Stunden. Über den Camí de Castelló direkt nach Sóller ist die Strecke deutlich kürzer. Zurück fahrt ihr mit dem Bus der Linie 203.

Wo ist Robert Graves begraben?

Robert Graves liegt auf dem kleinen Friedhof neben der Kirche Sant Joan Baptista, ganz oben auf dem Hügel von Deià. Sein Grab ist schlicht, Name und Lebensdaten sind von Hand in Beton geritzt.

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