Quallen, Seeigel und Posidonia: sicher baden auf Mallorca
Das Meer um Mallorca ist klar, warm und meistens friedlich. Für den Rest gibt es diesen Text.
Von Thorsten Kambach6 Min. Lesezeit

In diesem Beitrag 8 Abschnitte
Das Wasser ist so klar, dass man jeden Stein am Grund sieht. Und genau deshalb auch die kleine violette Glocke, die zwei Meter vor euch im Wasser treibt. Kein Grund zur Panik. Aber ein guter Moment, um zu wissen, was zu tun ist.
Kurz gesagt: Die häufigste Qualle um Mallorca ist die Leuchtqualle, Pelagia noctiluca. Sie tritt vor allem im Sommer auf, wenn Wind und Strömung sie an die Küste treiben. Nach einem Stich: aus dem Wasser, nicht reiben, Tentakelreste mit einer Karte oder Pinzette entfernen, mit Meerwasser spülen, niemals mit Süßwasser, dann 10 bis 15 Minuten kühlen, aber nie Eis direkt auf die Haut. Seeigel sitzen an felsigen Einstiegen, Badeschuhe lösen das Problem. Die Posidonia, das geschützte Neptungras, ist der Grund, warum das Wasser so klar ist. Die braunen Blätter am Strand sind Natur, kein Müll.
Quallen: wann und wo
Quallen gibt es im Mittelmeer nicht überall und nicht immer. Ob sie kommen, hängt von Wassertemperatur, Wind und Strömung ab. Ein Strand kann morgens voll und nachmittags leer sein. Am häufigsten sind sie im Hochsommer, in manchen Jahren schon ab Juni, in anderen kaum.
- Leuchtqualle (Pelagia noctiluca): klein, violett-rosa, mit langen Tentakeln. Die häufigste Art an Mallorcas Küsten. Ihr Stich brennt und hinterlässt rote Striemen.
- Spiegeleiqualle (Cotylorhiza tuberculata): gelb-braun, groß, sieht aus wie ein Spiegelei. Kommt im Spätsommer in ruhige Buchten und ist für Menschen weitgehend harmlos.
- Portugiesische Galeere (Physalia physalis): eine Staatsqualle mit blau-violetter Gasblase. Selten, aber gefährlich. Nicht berühren, auch nicht am Strand. Nach einem Kontakt immer zum Arzt.
Auch tote Quallen am Strand können noch nesseln, nach Angaben des Zivilschutzes der Balearen sogar noch Stunden später. Kinder lieben es, sie mit dem Eimer zu retten. Lieber nicht.
Was bei einem Quallenstich hilft
- Raus aus dem Wasser, ruhig bleiben.
- Nicht reiben, nicht kratzen, kein Handtuch, kein Sand. Das zerdrückt die Nesselzellen und macht es schlimmer.
- Tentakelreste entfernen, mit Pinzette, Handschuh oder dem Rand einer Plastikkarte. Nicht mit bloßen Fingern.
- Mit Meerwasser spülen. Niemals mit Süßwasser, auch nicht unter der Strandusche: Süßwasser aktiviert die restlichen Nesselzellen.
- Kühlen, 10 bis 15 Minuten, mit einem gut verschlossenen Kühlbeutel oder Eis in einer Tüte. Nie direkt auf die Haut.
- Desinfizieren und die Stelle in den nächsten Tagen beobachten.
Essig? Bei manchen Quallenarten hilft er, bei der Leuchtqualle laut einer Studie des Meeresforschungsinstituts ICM-CSIC in Barcelona nicht: Dort kann Essig die Nesselzellen sogar auslösen. Wer nicht weiß, welche Qualle es war, lässt ihn besser weg. Auch Urin hilft nicht, egal was der Onkel erzählt.
Zum Arzt bei Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Muskelkrämpfen, Atemnot, bei großen Flächen, bei Stichen im Gesicht, bei kleinen Kindern und nach jedem Kontakt mit einer Portugiesischen Galeere. Im Zweifel: Rettungsschwimmer fragen oder die 112 anrufen.
Flaggen und Rettungsschwimmer
An bewachten Stränden zeigen Flaggen, wie es um das Meer steht: Grün heißt baden erlaubt, Gelb Vorsicht, Rot Badeverbot. An vielen Stränden gibt es zusätzlich eine Warnflagge mit Quallensymbol. Die Rettungsschwimmer wissen meist am besten, was gerade im Wasser treibt, und haben oft auch Erste-Hilfe-Material für Quallenstiche. Wer Quallen an einem unbewachten Strand sieht, kann das dem nächsten Posten oder über die 112 melden.
Seeigel: sie waren zuerst da
Seeigel sitzen auf Felsen im flachen Wasser, gern genau dort, wo man aus einer Cala ins Meer steigt. Ihre Stacheln sind spitz, brechen leicht ab und bleiben in der Haut stecken. Gefährlich ist das selten, schmerzhaft fast immer.
- Vorbeugen: Badeschuhe an jedem Felsstrand. Beim Schnorcheln nicht auf Steinen abstützen.
- Wenn es passiert ist: sichtbare Stacheln vorsichtig mit einer Pinzette herausziehen, die Stelle desinfizieren und beobachten. Tief sitzende Reste nicht herausdrücken.
- Zum Arzt bei vielen Stacheln, bei Stacheln in Gelenknähe, bei Rötung, Schwellung oder Schmerzen, die nach ein, zwei Tagen nicht besser werden.
Petermännchen: der Fisch im Sand
Das Petermännchen, spanisch Escorpión oder Araña, vergräbt sich in flachem, sandigem Wasser. Wer darauf tritt, bekommt einen Stich mit Giftstacheln, der sehr wehtut. Das bewährte Mittel: den Fuß so warm baden, wie es gerade noch angenehm ist, denn das Gift ist hitzeempfindlich. Danach zum Arzt, vor allem bei Kindern. Badeschuhe helfen auch hier, und wer im flachen Wasser schlurft statt zu stapfen, scheucht die Fische vorher weg.
Posidonia: das Gras, das das Meer klar hält
Die Posidonia oceanica, auch Neptungras oder Seegras genannt, ist eine Blütenpflanze, die nur im Mittelmeer wächst. Ihre Wiesen filtern das Wasser, produzieren Sauerstoff und sind Kinderstube für Fische. Das türkise Wasser vieler Buchten gibt es ihretwegen.
- Am Strand: Im Herbst und Frühjahr liegen oft braune Blätter in dicken Lagen am Ufer, dazu kleine braune Faserbälle. Das ist kein Müll. Die Blätterschüttungen schützen den Strand vor Erosion. An vielen Badestränden werden sie vor der Saison entfernt, an Naturstränden bleiben sie liegen.
- Im Wasser: Die Wiesen stehen auf den Balearen unter Schutz. Seit dem Dekret 25/2018 ist das Ankern über Posidonia verboten, wer mit dem Boot unterwegs ist, ankert auf Sand oder nutzt Bojen. Wie das funktioniert, steht unter Boot mieten auf Mallorca.
- Beim Schnorcheln: anschauen, nicht ausreißen. Wo die besten Stellen sind, steht unter Schnorcheln auf Mallorca.
Was in die Strandtasche gehört
- Badeschuhe für alle, auch für die Kinder
- eine alte Plastikkarte und eine Pinzette
- ein Kühlakku in der Kühltasche, der kann auch für Stiche
- Desinfektionsspray und Pflaster
- Sonnencreme LSF 50, die schützt laut Zivilschutz übrigens auch ein wenig vor Tentakeln
Welche Strände für Kinder besonders gut sind, steht unter die schönsten Strände Mallorcas und im WOW BEACH GUIDE. Was im Ernstfall zu tun ist, wenn es ernster wird, steht unter Häufige Fragen, und die Nummer ist immer die 112.
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Häufige Fragen
Gibt es auf Mallorca Quallen?
Ja, vor allem im Hochsommer, wenn Wind und Strömung sie an die Küste treiben. Die häufigste Art ist die Leuchtqualle. An vielen Tagen und Stränden gibt es aber keine.
Was hilft bei einem Quallenstich?
Nicht reiben, Tentakelreste mit einer Karte entfernen, mit Meerwasser spülen und 10 bis 15 Minuten kühlen, ohne Eis direkt auf der Haut. Kein Süßwasser. Bei Kreislaufbeschwerden zum Arzt.
Hilft Essig bei Quallenstichen?
Nicht bei jeder Art. Bei der Leuchtqualle, der häufigsten auf Mallorca, kann Essig die Nesselzellen nach einer Studie des ICM-CSIC sogar auslösen. Im Zweifel weglassen.
Was tun, wenn man in einen Seeigel getreten ist?
Sichtbare Stacheln mit einer Pinzette entfernen, desinfizieren und beobachten. Bei vielen oder tiefen Stacheln, in Gelenknähe oder bei Entzündung zum Arzt.
Was ist das braune Seegras am Strand?
Abgestorbene Blätter der Posidonia, des geschützten Neptungrases. Sie schützen den Strand vor Erosion und sind kein Müll.
Darf man auf Mallorca über Seegras ankern?
Nein. Auf den Balearen ist das Ankern über Posidonia-Wiesen verboten. Geankert wird auf Sand oder an Bojen.