Essen & Trinken · Olivenöl

Olivenöl auf Mallorca: Oli de Mallorca, Ölmühlen und Oliven

Früher bezahlte man auf Mallorca mit Öl. Heute zahlt man dafür. Es lohnt sich trotzdem.

Von Thorsten Kambach7 Min. Lesezeit

WOW FINCA Mallorca: alter Olivenbaum an einer Trockenmauer, dahinter Olivenhaine und ein Bergdorf aus Naturstein am Hang über dem Meer
In diesem Beitrag 9 Abschnitte
  1. 01Oli de Mallorca: was die geschützte Herkunft bedeutet
  2. 02Die Sorten: Mallorquina, Arbequina, Picual
  3. 03Ernte und Ölmühlen, die ihr besuchen könnt
  4. 04Olives trencades und andere Oliven
  5. 05So erkennt ihr gutes Olivenöl
  6. 06Olivenöl als Mitbringsel
  7. 07Passende Fincas bei Caimari
  8. ?Häufige Fragen
  9. 08Quellen

An den Hängen der Tramuntana stehen Olivenbäume, die älter sind als die Häuser daneben. Ihre Stämme sind gedreht wie ausgewrungene Handtücher, ihre Terrassen von Hand gemauert. Im Herbst liegen Netze darunter. Was dann in den Ölmühlen passiert, schmeckt man später auf einem Stück Brot mit Tomate.

Kurz gesagt: Olivenöl von der Insel trägt die geschützte Ursprungsbezeichnung Oli de Mallorca (DOP, EU-weit eingetragen seit 2004). Zugelassen sind die Sorten Mallorquina (auch Empeltre), Arbequina und Picual. Es gibt zwei Typen: fruchtig-grün und mild-süß. Rund 800 Erzeuger bringen jährlich etwa 500.000 Liter auf den Markt. Eine Ölmühle zum Besichtigen hat die Kooperative in Sóller, Mitte November feiert Caimari seine Olivenmesse.

Olivenöl auf einen Blick

  • SchutzDOP Oli de Mallorca, EU 2004
  • SortenMallorquina (Empeltre), Arbequina, Picual
  • Typenfrutado (fruchtig), dulce (mild)
  • Erzeugerrund 800
  • Mengerund 500.000 Liter im Jahr
  • Ölmühle besuchenKooperative Sóller
  • OlivenmesseCaimari, Mitte November

Oli de Mallorca: was die geschützte Herkunft bedeutet

Seit 2004 ist „Aceite de Mallorca“, auf Mallorquin „Oli de Mallorca“, im EU-Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen eingetragen (Verordnung (EG) Nr. 1437/2004). Die Oliven müssen auf der Insel wachsen und hier zu Öl verarbeitet werden, Anbaugebiet sind alle Gemeinden Mallorcas. Über die Regeln wacht ein Consell Regulador.

Die Mengen sind klein. Laut dem Präsidenten des Consell Regulador, Joan Mayol, bringen rund 800 Erzeuger und mehr als hundert Marken zusammen etwa 500.000 Liter auf den Markt, gut ein Fünftel geht in den Export (Ultima Hora, November 2025). Wer Oli de Mallorca kauft, kauft also eher eine Spezialität als ein Grundnahrungsmittel.

Die Geschichte ist lang. Schon die Römer kannten das Öl der Insel, im 13. Jahrhundert wurde es exportiert, im 16. Jahrhundert wuchsen Olivenbäume auf den Terrassen der ganzen Tramuntana, und viele Güter hatten ihre eigene Ölmühle, die tafona. Fast 300 Jahre lang diente Öl als Zahlungsmittel. Ende des 19. Jahrhunderts machte es fast 80 Prozent der Exporte Mallorcas aus.

Die Sorten: Mallorquina, Arbequina, Picual

  • Mallorquina: die alte Inselsorte, früher Empeltre genannt. Sie wächst vor allem auf den Terrassen der Tramuntana und ergibt milde, leicht süßliche Öle.
  • Arbequina: kleine Früchte, ergibt fruchtige, eher milde Öle.
  • Picual: kräftiger, mit mehr Bitterkeit und Schärfe.

Dazu unterscheidet die Ursprungsbezeichnung zwei Typen. Frutado wird aus grünen Oliven gepresst, ist gelbgrün und leicht bitter und scharf. Dulce stammt aus reiferen Oliven, ist strohgelb bis goldgelb und schmeckt mild und süßlich. Weil die Terrassen der Tramuntana schwer zugänglich sind, wird dort traditionell später geerntet. Deshalb kommt der milde Typ oft aus den Bergen.

Ernte und Ölmühlen, die ihr besuchen könnt

Geerntet wird im Herbst und Winter, je nach Sorte, Lage und Wetter. Auf den Terrassen der Tramuntana ist das bis heute viel Handarbeit mit Netzen und Stöcken. Für Gäste ist das eine gute Zeit: Das neue Öl ist frisch, und die Insel ist ruhig. Was im Herbst sonst los ist: Mallorca im November.

  • Cooperativa de Sóller, Sóller: Die Kooperative im Tal von Sóller bietet Führungen an. Dazu gehören das Agromuseum Centre Capvespre mit einem Film über die Geschichte der Ölmühlen, die Ölmühle selbst, das Lager, die Abfüllung und am Ende eine Verkostung. Termine vorher prüfen. Was es in Sóller sonst gibt: Sóller und Port de Sóller.
  • Caimari: Das Dorf am Fuß der Tramuntana gehört zur Gemeinde Selva. Am dritten Wochenende im November feiert es die Fira de s’Oliva mit Ständen für frisches Öl, Olivenbrot und Tapenade, Musik und einer Vorführung in der historischen Ölmühle sa tafona. Das Programm steht jeweils kurz vorher auf der Website der Gemeinde Selva.
  • Son Catiu, an der Straße Inca–Llubí: eine moderne Ölmühle mit Laden und Restaurant, die vor allem Arbequina und Picual verarbeitet. Gut, um beide Sorten direkt zu vergleichen. Öffnungszeiten vorher prüfen.

Viele kleinere Güter verkaufen ihr Öl ab Hof oder auf den Märkten. Welcher Markt an welchem Tag ist, steht in Wochenmärkte auf Mallorca. Wer Öl und Wein an einem Tag verbinden will: Wein auf Mallorca.

Olives trencades und andere Oliven

Seit 2014 sind auch die Tafeloliven der Insel geschützt, als Oliva de Mallorca (Verordnung (EU) Nr. 204/2014). Zugelassen ist nur die Inselsorte Mallorquina, in drei Formen:

  • Verdes senceres: grüne Oliven, ganz, in Salzlake.
  • Verdes trencades: grüne Oliven, vor dem Einlegen angeschlagen oder eingeschnitten und mit Fenchel und scharfer Paprika gewürzt. Die Oliven, die in der Dorfbar oft zum Bier kommen.
  • Negres: reife schwarze Oliven, mit mallorquinischem Olivenöl angemacht, ohne Lake.

Mit Brot, Tomate und Öl, die Oliven daneben, wird daraus Pa amb oli, das einfachste und vielleicht beste Abendessen der Insel. Mehr Klassiker: Mallorquinische Küche.

So erkennt ihr gutes Olivenöl

  • Kategorie: „Aceite de oliva virgen extra“ ist die beste Güteklasse. „Aceite de oliva“ ohne Zusatz ist eine Mischung mit raffiniertem Öl.
  • Herkunft: Echtes Oli de Mallorca trägt das Siegel der Ursprungsbezeichnung auf dem Etikett.
  • Erntejahr: Gutes Öl nennt die Ernte, zum Beispiel 2025/26. Je frischer, desto besser, Öl ist kein Wein.
  • Flasche: dunkles Glas oder Kanister, kein Licht, keine Wärme. Ein Regal im Schaufenster in der Sonne ist kein gutes Zeichen.
  • Geschmack: fruchtig, leicht bitter, im Hals ein Kratzen. Das Kratzen ist kein Fehler, sondern ein Zeichen für frisches Öl. Ranzig, muffig oder nach Pappe schmeckt dagegen schlechtes Öl.

Im Supermarkt findet ihr Oli de Mallorca meist im Regal mit regionalen Produkten. Wo es was gibt, steht im Supermarkt-Guide für Mallorca.

Olivenöl als Mitbringsel

Eine Flasche Oli de Mallorca ist das ehrlichste Souvenir der Insel. Aber: Flüssigkeiten über 100 Milliliter dürfen nicht ins Handgepäck. Das Öl gehört in den Koffer, gut eingewickelt, am besten in eine Plastiktüte und dann zwischen die Kleidung. Kanister sind leichter und bruchsicherer als Glas. Innerhalb der EU gibt es für Olivenöl im privaten Gepäck keine Mengengrenze, die sonstigen Regeln für die Rückreise stehen in Zoll auf Mallorca.

Passende Fincas bei Caimari

Wer die Olivenmesse in Caimari besuchen oder die Ernte aus der Nähe sehen will, wohnt am besten in Selva. Die Finca Avles liegt auf einer Anhöhe am Ortsrand, mit zwei Schlafzimmern, eigenem Pool und Bergpanorama. Die Finca Sahara zwischen Selva, Caimari und Campanet hat drei Schlafzimmer auf einer Ebene und 40.000 m² Natur rundherum. Mehr Häuser: Fincas in der Inselmitte und Fincas im Norden.

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Häufige Fragen

Was ist Oli de Mallorca?

Die geschützte Ursprungsbezeichnung für Olivenöl von Mallorca, seit 2004 im EU-Register eingetragen. Die Oliven müssen auf Mallorca wachsen und hier zu Öl verarbeitet werden.

Welche Olivensorten gibt es auf Mallorca?

Für Oli de Mallorca sind drei Sorten zugelassen: Mallorquina (auch Empeltre), Arbequina und Picual. Die Mallorquina ist die alte Inselsorte.

Wo kann man auf Mallorca eine Ölmühle besichtigen?

Die Cooperativa de Sóller bietet Führungen mit Agromuseum, Ölmühle und Verkostung an. Bei der Fira de s’Oliva in Caimari im November wird die historische Ölmühle vorgeführt.

Was sind olives trencades?

Grüne Oliven der Sorte Mallorquina, die vor dem Einlegen angeschlagen und mit Fenchel und scharfer Paprika gewürzt werden. Sie sind als Oliva de Mallorca geschützt.

Wann ist Olivenernte auf Mallorca?

Im Herbst und Winter, je nach Sorte, Lage und Wetter. In der Tramuntana wird traditionell später geerntet, daraus entsteht der milde Typ dulce.

Darf man Olivenöl im Handgepäck mitnehmen?

Nur bis 100 Milliliter. Größere Flaschen gehören gut verpackt in den aufgegebenen Koffer. Innerhalb der EU gibt es für privates Olivenöl keine Mengengrenze.

Quellen

  • Verordnung (EG) Nr. 1437/2004 der Kommission vom 11.8.2004, Eintragung „Aceite de Mallorca / Oli de Mallorca“ als geschützte Ursprungsbezeichnung
  • Verordnung (EU) Nr. 204/2014 der Kommission vom 20.2.2014, Eintragung „Oliva de Mallorca“; Produktspezifikation beim spanischen Landwirtschaftsministerium (MAPA)
  • Govern de les Illes Balears, illesbalears.travel: „Local product: Oli de Mallorca“ und „Discover how olive oil is produced in Majorca“ (Cooperativa de Sóller), abgerufen November 2026
  • Ultima Hora, Interview mit Joan Mayol, Präsident des Consell Regulador Oli de Mallorca, 19.11.2025
  • Interempresas, DOP Aceite de Mallorca: Typen frutado und dulce
  • Mallorca Magazin, Olivenfest Caimari 2025 (Fira de s’Oliva)