Carsten nickt. Und nickt nochmal, langsam, kurz. Es ist so eines dieser kleinen Nicken, mit dem man wortlos auf etwas zeigt. Als wollte er sagen: Pass auf. Gleich passiert’s wieder. Anfangs hielt ich das für eine Angewohnheit. Heute weiß ich: Carsten nickt immer dann, wenn Gassi einfach Gassi ist.

Gassi wohnt auf einer zwölf Meter langen Segelyacht im Hafen. Mallorca hat 550.000 Einwohner. Sagt zumindest das Statistikamt. Gassi kennt ungefähr 600.000 davon. Anders kann ich es mir bis heute nicht erklären. Denn schon nach ein paar Minuten an Bord – wir trinken gerade unseren Kaffee – winkt der erste Fischer und ruft laut über die Stege: „GASSSIE!“. Kurz darauf kommt ein Hafenarbeiter vorbei, stellt sich vor uns auf und lächelt Gassi eine Weile selig an. Dann stoppt ein älteres Ehepaar mit seinem Boot am Nachbarsteg. Ich schaue zu Carsten. Und Carsten, der nickt.

„Mallorca hat 550.000 Einwohner. Gassi kennt ungefähr 600.000 davon.“

Wir laufen keine fünfzig Meter. Da steigt schon der nächste Hafenarbeiter von seinem Gabelstapler, läuft zu Gassi, klopft ihm auf die Schulter und fährt weiter. Zwei Boote weiter ruft jemand: „Heute Abend?“ Gassi hebt den Daumen. Offenbar reicht das als vollständige Terminplanung. Vor der Hafenausfahrt hält ein Lieferwagen. Der Fahrer springt heraus, drückt Gassi eine warme Papiertüte in die Hand und fährt weiter. Zwei Ensaimadas. Noch warm. Ich greife automatisch zum Portemonnaie. Gassi sieht mich an, als hätte ich gerade vorgeschlagen, Eintritt für den Sonnenaufgang zu bezahlen. „Wofür?“, fragt er. Ich schaue zu Carsten. Carsten nickt. Nicht zu mir. Nicht zu Gassi. Einfach in die Situation hinein. So, als würde er sagen: Siehst du?

„Gassi braucht keine Geheimtipps. Die Geheimtipps brauchen Gassi.“

Gassi, der Mann, der auf Mallorca immer noch jemanden kennt

Ein älterer Herr gießt seine Geranien. Als er Gassi entdeckt, stellt er die Gießkanne ab, verschwindet schnell im Haus und winkt Gassi hinter sich her, der ebenfalls verschwindet. Ich sehe Carsten an, er mich. Carsten ... nickt. Und dreht so seltsam seine Fußspitze auf dem Boden im Kreis. Aber ehe ich überlegen kann, ob das etwas zu bedeuten hat, kommen die beiden zurück, der Herr mit einer Flasche Rotwein. „Der war eigentlich für Weihnachten.“ Gassi nimmt sie entgegen. „Schade um Weihnachten.“ Beide lachen. Zwanzig Meter weiter hält ein Polizeiauto mitten auf der Straße. Das Fenster geht herunter. „Alles gut?“ „Alles gut.“ „Schön.“ Der Wagen fährt weiter. Kurz darauf ruft ein Metzger aus seiner Ladentür: „Moment!“ Er verschwindet nach hinten, kommt mit einem langen Messer zurück, schneidet zwei hauchdünne Scheiben Jamón herunter und reicht sie Gassi. Ich bekomme ebenfalls eine. Keiner fragt, wer ich bin. Ich schaue zu Carsten. Carsten nickt.

„Hier lang“,

sagt Gassi und biegt in eine schmale Gasse ein. Vor einer alten Holztür klopft er zweimal. Dahinter liegt ein kleiner Innenhof mit Zitronenbäumen, Weinreben und einem gedeckten Tisch. Eine ältere Dame kommt aus der Küche, lächelt und sagt nur: „Schön, dass du da bist.“ Kurz darauf stehen Brot, Oliven, Fisch und Wein auf dem Tisch. Ich frage gar nicht erst nach der Speisekarte. Stattdessen schaue ich zu Carsten. Er nickt schon wieder ...

Gassi von WOW FINCA auf seinem Boot im Hafen auf Mallorca

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Ein Zollstock, 286 Fincas, eine Pressekonferenz und eine Frage, die niemand gestellt hatte: Was kostet eigentlich ein Platz am Pool?

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